
|
Ausflüge von Seefeld aus: Bergisl bei Innsbruck Ein sorgfältig gepflegter Mythos besagt: Heldenhaft kämpften die Tiroler Anno 1809 in vier Schlachten am Bergisl bei Innsbruck gegen die bösen Bayern um die Unabhängigkeit ihres Landes. Die Veranstaltung heißt Tiroler Freiheitskampf. Es ging aber nicht um Freiheit, sondern um den Verbleib Tirols unter Habsburger Herrschaft und die Vertreibung der bayrisch-französischen Truppen. Napoleon hatte nach der österreichischen Niederlage im dritten Koalitionskrieg Tirol an Bayern gegeben. Abgeschnitten von den bisherigen Handelsräumen gerieten die Tiroler in eine schwere Wirtschaftskrise, die in Verbindung mit der bayrischen Finanz- und Steuerpolitik dem Volk an die Substanz ging. Hinzu kamen die Reformbemühungen des bayrischen Ministers Montgelas, der Tirol mit Gewalt in die Neuzeit führen wollte. Als dann Anfang 1809 auch noch die Einziehung von Tirolern zum bayrischen Militär begann, kam es zu ersten Zusammenstößen. Ausschnitte aus dem Riesenrundgemälde der Schlacht. Als Österreich 1809 einen neuen Krieg gegen Napoleon begann, ermunterte es die Tiroler zum Volksaufstand, denen es in diversen Gefechten, vor allem aber den drei ersten Schlachten am Bergisl, gelang, die bayrisch-französischen Truppen zu schlagen und Innsbruck zu besetzen. Nachdem Österreich jedoch auf anderen Kriegsschauplätzen Niederlagen erlitt, am 14. Oktober 1809 kapitulieren und u.a. auf Tirol verzichten musste, standen die Tiroler im Regen. Der Oberkommandierende Andreas Hofer entschloss sich zur Fortsetzung des Kampfes, musste aber nach der Niederlage in der vierten Bergisl-Schlacht am 1. November 1809 und weiteren verlorenen Kämpfen fliehen. Im Januar 1810 wurde sein Versteck an die Franzosen verraten, die ihn aufgriffen und später in Mantua hinrichteten, wegen Fortsetzung von Kampfhandlungen nach Waffenstillstand.
Ein Andreas-Hofer Denkmal erinnert noch an das Geschehen von 1809. Im Kaiserreich bis 1918 war das Gelände Übungsplatz der Tiroler Kaiserjäger, die Schießstände (Bild Mitte) sind bis heute erhalten. Rechts ein Denkmal für den letzten Kaiser von Österreich, Karl I. Im Kaiserjägermuseum ist neben der Ausstellung zum Jahr 1809 die Geschichte des Kaiserjäger- und des Kaiserschützenregiments bis 1918 dokumentiert. Außerdem sind einige Räume mit Erinnerungsstücken an den Aufstand von 1809 und einer Sammlung von Gemälden und Portraits der damaligen Tiroler Führer eingerichtet.
Ohne übergroße Sentimentalität haben die Tiroler den heiligen Berg mittlerweile umgekrempelt. Der damalige Schlachtort ist heute von Straßen und Eisenbahnlinien bedeckt, der Berg untertunnelt, obendrauf wurde die Olympia-Sprungschanze gestellt.
Unterhalb des BergIsls das Prämonstratenser Chorherrenstift Wilten, noch heute in Betrieb. Der Chef ist Haus- Hof- und Erbkaplan des Landes Tirol. Das Kloster bestand schon lange vor Innsbruck, zu dessen Gründung es das Gelände zur Verfügung stellte, auf dem sich heute die Altstadt befindet. Seine Bibliothek umfasst etwa 80.000 Bände.
Die Wiltener Basilika, im Rokkoko auf dem Platz einer älteren Kirche erbaut, Wallfahrtsort früher für Pilger und heute für Touristenbusse. Sie hat wesentlich mehr Zulauf als die nur wenige Meter entfernte Stift Wilten, vermutlich wegen des geräumigen Pakrplatzes direkt vor dem Eingang. zurück zum Seefeld Open
|