Schach unter Extrembedingungen

Das Haus am Böbig besteht aus der  Gaststätte, einer Wohnung für den Wirt und ein paar  Räumlichkeiten, in denen verschiedene Abteilungen des Post- und Telekom-Sportvereins Neustadt ihrer jeweiligen Sportart nachgehen, andere wiederum nicht. Das Anwesen  hat  der PTSV Neustadt erbauen lassen und 1996  seiner Bestimmung übergeben. Die Gaststätte war anfangs auf einen Raum beschränkt, dehnte sich aber immer mehr aus und kann nun mit Fug und Recht als Hauptbestandteil des Gebäudes bezeichnet werden. Was, wie wir anmerken wollen, Schachspielern eigentlich egal sein könnte, hätte es nicht unmittelbaren Einfluss auf den Platz, der für diesselben übrig bleibt. 

Zwei Millionen DM habe es gekostet, schrieben wir hier auf unserer damaligen Internetseite, die soviel Betrübnis errregt hat. Bei der Schlacht am Harthäuser Weg am 17.06. 00. nahmen wir bewundernd zur Kenntnis, daß es sogar drei Millionen waren. Der PTSV-Vorsitzende ist sogar der Auffassung, daß die Summe allen Mitgliedern bekannt gegeben wurde, eine Auffassung, der wir uns leider nicht anschließen können. Nicht einmal der damalige Vorsitzende der Schachabteilung kannte diese Summe. Eine lustige Begebenheit von der betreffenden Mitgliederversammlung: Als er (der Abteilungsleiter) den Antrag auf Offenlegung der Finanzierung legte, wurde dies vom Vorstand des Gesamtvereins abgelehnt. Den Angaben des Abteilungsleiters zufolge beschloss dann sogar die Mitgliederversammlung mehrheitlich, keinen Einblick in die Kassenlage haben  zu wollen. Die Finanzierungs- bzw. Schuldenlage  wurde nach diesem Beschluss dann auch nicht bekannt gegeben. Ein Glück, das Vereinsmief nicht weithin stinkt. 

Angesichts der Tatsache, daß öffentliche Zuschüsse für den Bau bewilligt worden waren, diese aber gestoppt worden sein sollen aufgrund der Ausdehnung der Gaststätte, behaupteten wir hier in der Erstausgabe des Textes, daß die Bezirksregierung als zuständige Landesbehörde Zuschüsse zurückgefordert hat , nach einer anonymen Anzeige und darauffolgender Überprüfung. Hier gebrach es  uns offensichtlich an fundierten philosophischen Kenntnissen über Kausalität und menschlicher Willensfreiheit. Denn der Vorsitzende belehrte uns strafenden Blickes, daß diese Zuschüsse freiwillig zurückgezahlt wurden, unabhängig von der Anzeige, das habe damit garnichts zu tun. War anscheinend purer Zufall.

Wir nehmen das selbstverständlich beruhigt zur Kenntnis und geben es hier wieder, denn ein Chef hat schon von Amts wegen Recht. Und als Chefs fühlen sich die drei Vorständler zweifelsohne. Wie schrie der 2. Vorsitzende so treffend am 17.6.00 zum Verfasser dieser Seiten: "Kennen Sie die Hierarchie hier und wissen Sie, daß man sich erst über den Abteilungsleiter an den Vorstand wendet, wenn man eine Beschwerde im Verein hat, statt es ins Internet zu setzen ?"   Wußten wir zuvor nicht, schließlich befanden wir uns nicht beim Militär, wenn auch bei Postangehörigen und ihrem Verein sicher außergewöhnliche Verhältnisse herrschen. Immerhin hatten wir schon in der Erstausgabe des Textes unser unerschütterliches Vertrauen in die Geschäftsführung des Vorstands damit begründet, daß der Vereinsvorsitzende damals schließlich Landtags-Abgeordneter war, und Politiker bekanntlich besonders korrekt sind, wenn es um Geld geht. Aber der Vorstand verlangte entrüstet, daß wir diese Behauptung sofort streichen sollten .

   Wenden wir uns ab von diesen unlösbaren Wirren und kommen zu dem, was es bei der Gaststätte sonst noch so gibt. : Z.B. eine Turnhalle, die allerdings für manche Sportarten wie Badminton etc. ungeeignet ist. Sie wirkt bei flüchtiger Betrachtung ein bischen zu klein geraten, aber dafür ist das Lokal sehr groß, falls wir das noch nicht erwähnt hatten. Nicht zu erwähnen bräuchten wir sicherlich, daß diese Auffassung betrüblicherweise nicht die Auffassung des Vorstandes ist. Die Abteilungen Badminton und Volleyball halten ihren Spielbetrieb außerhalb ab.

Im Keller befinden sich Kegelbahnen. Sie entsprächen nicht den üblichen Vorschriften, schrieben wir hier vormals. Die Sportkegler regten sich darob fürchterlich auf. Der Vorstand behauptet, dies sei nur ein Gerücht aus der Entstehungszeit des Lokals. Nach Aussage des damaligen Abteilungsleiters Schach haben allerdings die Kegler selbst bei der Übergabe der Bahn diese Behauptung aufgestellt und sich auch später noch beschwert. Kein Gerücht sind Vorfälle an der Kegelbahn, die sich beim alljährlichen Kegeltag der Schach-Jugendabteilung ergaben: Die Damen und Herren der Gesellschaftskegler äußerten beim Anblick der Jugendlichen Begeisterungsrufe wie "Igitt, Kinder hier" und  versuchten beim Jugendkegeln 99, die Jugendlichen durch die Wirtin rausschmeißen zu lassen. Hierzu äußerte sich der Vorstand nicht, empörte sich lediglich darüber, daß wir das Alter der angreifenden Damen und Herren mit "zwischen 45 und scheintot" beschrieben hatten. "Was haben Sie für ein Menschenbild", fragte uns der Politiker voller kunstvoll dargebrachter Entrüstung. 

Hinter dem Laden gibt es Tennisplätze, für deren Bewässerung eigens ein Brunnen gebohrt wurde. Alles ganz normal.

Zu dieser Perle bundesdeutscher Gaststätten, der Krönung aller Vereinshäuser, zu diesem Titanenwerk der drei Vorsitzenden haben die Schachspieler, wir müssen es zerknirscht eingestehen, nichts beigetragen. Vergeblich suchte man bei den Arbeitseinsätzen nach ihnen, vergeblich verhallten die Appelle zum Mitwirken an diesen Jahrhundertwerk. Dabei ist es unseres Wissens die erste Sportgaststätte mit eigenem Verein in Neustadt insgesamt.

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